Hier bin ich wieder! Habt ihr mich vermisst? Ich verschwende schon wieder meine Zeit im Internet. Passiert leider allzu oft, auch wenn ich allzu viele andere Sachen am Hals habe. So erstrebenswert--und so erfreulich--wie die Produktivität ist, schaffe ich es einfach nicht, mich dem Berg von Aufgaben zu wenden. Außerdem ist das hier viel interessanter, als sämtliche Knochen auswendig zu lernen, was ich eigentlich sonst hätte machen müssen.
Ich hab leider nicht viel zu sagen, oder nichts Interessantes. Hauptsächlich verbringe ich meine Zeit damit, Einträge von meinem ,,To-do List" zu streichen. Das macht mich unheimlich glücklich. Wie ihr mich kennt, macht mich nichts glücklicher als etwas Geschafft Zu Haben. Oder geschafft- geschaffen- verschaffen- verschlafen- vergessen- gegessen- gegeben- ge-----ähm, ich hör schon auf.
Genauer gesagt, verbringe ich meine Zeit damit, denselben Leuten dieselben Sachen zu erklären; denjenigen, die auf mich zukommen und mich mit dem wunderbaren Satz ,,ich brauch' n Buch" in den Wahnsinn treiben. Sie glauben--also die Leute, die Studenten glauben, dass es für uns nichts Himmlicheres auf Erde gibt, als ihr Buch auszusuchen. Versteht mich nicht falsch, ich mag es gerne, den Leuten zu helfen. Aber besonders kompliziert ist es nicht, die Bücher gefälligst mal selbst nachzuschlagen, wo sie sind. Es ist genauso kompliziert wie etwas zu googeln (wie ich das Word hasse, sowohl auf Englisch als auf Denglisch), und genauso anspruchsvoll. Goldfische, meine Oma--wäre sie nicht gestorben--und ein begabter Säugling hätten es machen können, so einfach ist es. Besonders lustig sind die Studierenden, die kurz vorm Abschluss sind und zu uns kommen, weil sie nicht die geringste Ahnung haben, wie sie ein Buch finden, weil sie noch nie--noch nie!--in der Bibliothek waren. Um diese Leute mache ich mir Sorge. Sie werden in 10 Jahren wahrscheinlich Präsident.
Na gut, über die Arbeit kann man ja immer meckern, vor allem, wenn es um Kunden geht. Leute sind lustig, leider leiden die meisten an mehrfachen Mehr- und Minderwertigkeitskomplexen, die es uns schwierig machen, Sachen zu suchen, selbst wenn wir es wollten. War das ein Satz? Bin ja nur Ausländerin.
Eigentlich bin ich nicht mehr Ausländerin. Ich war es so gewöhnt, irgendwann im Laufe des Gesprächs sehr selbstgefällig, beiläufig erwähnen zu können, dass ich ja Amerikanerin bin. Und meine Gesprächspartner freuen sich und loben mich unheimlich, weil ich kein Akzent habe und so unglaublich wunderbar super toll Deutsch kann. Eigentlich irritiert mich das, und mein Ziel war es, dass die Leute nicht erfahren, dass ich nicht Deutsche bin. Es funktioniert nur wenn a) wir beide betrunken sind, b) der Andere betrunken ist, oder c) wir auf einer Party sind. Am Besten alle drei auf einmal--der Andere darf auch doppelt so betrunken sein, wenn's euch recht ist. Und jetzt habe ich den Faden verloren--wahrscheinlich weil meine Mutter angerufen hat, und wir unterhielten uns ne Stunde lang auf Französisch. Merkwürdig, aber wahr. Unser Gespräch lief ganz gut, war nur darauf beschränkt, was man eben mit einem Wortschatz von 200 Wörtern hätte erzählen können. Sich mit mir auf Französisch zu unterhalten ist wahrscheinlich gleich wie sich mit einem fünfjährigen Kind zu unterhalten; nur, dass ich kein Gekritzel mitgebracht hab, um zu behaupten, es sei ein Pferd oder ein Flugzeug (oder noch besser, ein Pferd in einem Flugzeug).
Ach so, jetzt weiß ich noch, wo ich war. Jetzt bin ich nicht mehr Ausländerin, jetzt bin ich Amerikanerin wie alle andere, nur, dass ich nicht so ganz reinpasse. Zum Ersten verwende ich das Word ,like' so gut wie überhaupt nicht, und ich kriege Gänsehaut, wenn meine Mitstudenten (oder besser gesagt, meine Mitstudentinnen) das Word so oft benutzen, als ob es ihnen gleich weggenommen wird. Man soll es ihnen wegnehmen. Zum Zweiten kann ich kein Englisch mehr. Ich rede wie aus einem Buch aus dem 18. Jahrhundert, mit kompletten Sätzen und den Wörtern, die genau dem treffen, was ich sagen will. Und außerdem ziehe ich mich merkwürdig an, ich laufe nicht mit Trainingsanzügen durch die Gegend, ich besitze keine Crocs, ich betrachte Laufsachen nicht als Mode, ich trage eine Pilotenbrille und keine übergroße Insektenaugen, und ich bin zu faul, um mich zu schminken. Und, die größte Sünde: mein Handy ist mir völlig egal. Eigentlich vergesse ich es zu Hause öfter als ich es mitnehme, ich bin permanent nicht zu erreichen, es hat keine Spiele und kein Kamera drauf und ich mag nicht mit ihm SMS schicken. Da bin ich wirklich ein Einzelfall. Es ist nicht schlimm, nicht angepasst zu haben. Es ist mir eigentlich egal, und wenn man mich nicht mit einer Sorority-Sister verwechselt, umso besser.
Ich bin auch älter als die Meisten hier. Das kommt mir unheimlich komisch vor, denn ich war in meiner Schulklasse die dritt-Jüngste. Von 250. Und in Deutschland--ihr seid alle 22, 23, 24, oder noch älter. Okay, nicht alle, aber viele, und es ist gewöhnlich mit 24 noch am Studium zu sein. Hier hat man schon längst einen Job, oder wird eben keinen bekommen, aber studiert zumindest nicht mehr. Oder, man ist schon 26, 27 oder so, und hat's irgendwie nicht geschafft, das erste Mal zu Ende zu studieren. Ich bin jetzt im letzten Studienjahr, und meine Kommilitonen sind 19 oder 20 Jahre alt. Das ist auch das Geheimnis meiner Beliebtheit--ich bin 21, und darf endlich Alkohol kaufen. Lustig, was? Aber es ist ein Felony (höchst strafbar), Alkohol für Minderjährige zu kaufen.
Colorado ist unheimlich traumhaft schön, besonders jetzt, wo die Bäume gold und rot und braun werden. Sie schmucken sich vorm Winter, der übrigens vielleicht schon dieses Wochenende Besuch erstatten wird. Die Berge ragen hinter der Uni und der Stadt wie große Wächter. Die Leute sind sozial sehr engagiert, sie sind sehr aktiv (Hobbyjogger ohne Ende, auch die Profs). Wenn es drei Uhr morgens, die Straße völlig verlassen und die Ampel rot ist, gucken die Franzosen und gehen trotzdem. Die Amerikaner gehen, ohne zu gucken---und die Deutschen stehen da, bis es grün wird. Wir nehmen es mit der Ordnung ja net so ernst. Aber wehe, wenn du rauchen willst--es ist fast überall Rauchverbot. Man darf ja innerhalb von 15 Fuss (5m) vorm Eingang nicht rauchen---also verkriechen sich die sozial ausgeschlossenen Raucher im Regen und im Schnee. Aber kiffen tut fast jeder. Trinken + fahren tut man auch.
Gestern saß ich im Bus und der Typ hinter mir hat mich angequatscht. Er hat sich vertan, glaubte, mich im Sportzentrum gesehen zu haben. Wir waren zur gleichen Zeit da, ich trug aber kein oranges T-Shirt. Egal, wir haben uns für die Fahrt unterhalten. Er ist VWLer, schwimmt, hat noch anderthalb Jahre zu studieren. War sehr nett, wir haben uns gut unterhalten, ich habe ihm meine Emailadresse gegeben. Das passiert in Deutschland ja nicht so oft. Die Leute im Supermarkt fragen dich, wie es dir geht, ob sie dir helfen können. Ich muss mich immer hinter dem Regal verstecken, ich schleiche durch den Markt in der Hoffnung, nicht von einem übereifrigen Mitarbeiter überrascht und attakiert zu werden.
Also, ich mach mich ja dran--ich hab ja zu tun, ich kann nicht den ganzen Tag nur Quatsch erzählen, als ob es mir irgendwie langweilig wäre.
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Sunday, October 07, 2007
Sunday, September 02, 2007
Give my regards to Watson....
In the face of persistent dissatisfaction and succeeding several hours of German history, I've decided to try and figure out What's Going On. It's hard to say, women being at the proverbial mercy--ah, mercy, ye who in this regard are not so merciful--of their conflicting and confusing (yes, men, we are confused by our emotions as well, though it stops well short of the male bafflement) emotions as we are. I'm attempting a Nietzschean regression, referring, of course, rather to Nietzsche's genealogical approach than his nihilistic philosophy.
My situation here is by all accounts passable, and comfortable, in that the comforts of a civilized, materialistic society are available to me without having to have carried them in my backpack. A desk to suit an executive though I am but a student; a bed big enough for two though I sleep alone; a car though there is nowhere to go. I do not want, nor do I starve, though the higher cost of living requires I tighten my belt and my budget. I am busy; or rather, I am behind, which has the gilt of inevitability and of inescabability to preclude any attempts at idleness. My to-do list follows me around like a hotdog on a string: not smoothly, occasioning comment, and reeking faintly. Still, the items will diminish slowly but surely, and the particular reductive effect of deadlines is not to be discounted.
It has also been a long time since I have had had more than an evening or two a week to myself, in which I was my own sole source of entertainment. I miss my boyfriend primarily for emotional and intellectual reasons, but also for the enrichment he provided to my social schedule, as someone with whom I spent a disproportionate amount of time, alone or with our combined or separate circles of friends. We are reduced to frequent but sometimes hurried conversations, our respective schedules conspiring against us and compounded by the time difference. This frustrates me; the connection makes me more aware of the distance than ever.
Various people, whom I would consider somewhere between friends and acquaintances, depending on the individual, have welcomed me back with relative warmth. In comparison with my social life in Germany, my social life here is like marmalade: high viscosity and therefore of slow speed, sweet but taken in small quantities, and moulds if left unused for too long. As mentioned, however, my assignments and my location of habitation now preclude extensive social activities--though I will admit that such activities are so few on offer that I can almost certainly accommodate them. Mostly I just feel out of place and lacking the desire to try and fit in. That will, I am sure, change with time to a certain extent. I will make (more) friends, or I will return to entertaining myself as I have in the past. I do not sit idle, and I can be happy without needing others.
My optimism is flagging somewhat, I must admit: or that which is flagging is my sense of challenge and discovery. Perhaps arrogant and almost certainly untrue, but I have the lackluster and dragging feeling of déjà vu, of having seen and done and experienced what there is to do here; not only that, particularly in light of the shining goal of graduation hovering before me, my classes appear less as an interesting intellectual challenge (or pass-time, depending on the level) and more as simply--work, items to be checked off a list. There is no wonder of discovering a new city, not to mention experiencing a new culture or language; I am already aware of the difficulties and drawbacks inherent in my system. It is the mystery that is lacking, not an inherent defect in my current situation; a fault I could accept, accommodate or ameliorate, but what is the solution to a missing mystery?
My situation here is by all accounts passable, and comfortable, in that the comforts of a civilized, materialistic society are available to me without having to have carried them in my backpack. A desk to suit an executive though I am but a student; a bed big enough for two though I sleep alone; a car though there is nowhere to go. I do not want, nor do I starve, though the higher cost of living requires I tighten my belt and my budget. I am busy; or rather, I am behind, which has the gilt of inevitability and of inescabability to preclude any attempts at idleness. My to-do list follows me around like a hotdog on a string: not smoothly, occasioning comment, and reeking faintly. Still, the items will diminish slowly but surely, and the particular reductive effect of deadlines is not to be discounted.
It has also been a long time since I have had had more than an evening or two a week to myself, in which I was my own sole source of entertainment. I miss my boyfriend primarily for emotional and intellectual reasons, but also for the enrichment he provided to my social schedule, as someone with whom I spent a disproportionate amount of time, alone or with our combined or separate circles of friends. We are reduced to frequent but sometimes hurried conversations, our respective schedules conspiring against us and compounded by the time difference. This frustrates me; the connection makes me more aware of the distance than ever.
Various people, whom I would consider somewhere between friends and acquaintances, depending on the individual, have welcomed me back with relative warmth. In comparison with my social life in Germany, my social life here is like marmalade: high viscosity and therefore of slow speed, sweet but taken in small quantities, and moulds if left unused for too long. As mentioned, however, my assignments and my location of habitation now preclude extensive social activities--though I will admit that such activities are so few on offer that I can almost certainly accommodate them. Mostly I just feel out of place and lacking the desire to try and fit in. That will, I am sure, change with time to a certain extent. I will make (more) friends, or I will return to entertaining myself as I have in the past. I do not sit idle, and I can be happy without needing others.
My optimism is flagging somewhat, I must admit: or that which is flagging is my sense of challenge and discovery. Perhaps arrogant and almost certainly untrue, but I have the lackluster and dragging feeling of déjà vu, of having seen and done and experienced what there is to do here; not only that, particularly in light of the shining goal of graduation hovering before me, my classes appear less as an interesting intellectual challenge (or pass-time, depending on the level) and more as simply--work, items to be checked off a list. There is no wonder of discovering a new city, not to mention experiencing a new culture or language; I am already aware of the difficulties and drawbacks inherent in my system. It is the mystery that is lacking, not an inherent defect in my current situation; a fault I could accept, accommodate or ameliorate, but what is the solution to a missing mystery?
Monday, August 13, 2007
What happens in Boulder stays in Boulder...
...until it gets posted on the internet.
At least, that's what R.'s T-shirt says. The picture is of a hot tub containing a man and a goat. I guess you had to be there.
In der alten Wohnung anzukommen war nicht gerade das, was ich erwartet hatte. Ich weiß es nicht, was ich erwartete, oder was mich erwartet. Von den zwei Leuten, die außer mir in diesem Haus wohnen, kenne ich nur einen. Wir waren vorher schon Mitbewohner, und es hat einigermaßen geklappt. Der andere ist neu, arbeitet beim Supermarkt und kommt aus demselben Vorort, wo er jetzt wohnt.
,,Welche Tür ist eure?" fragte R. Ich deutete auf die Tür, die sich langsam zu öffnen anfing ,,Hilfe! Wieso geht die Tür jetzt auf??" schreit sie: automatischer Türöffner.
Wenn ihr schon mal bei mir zum Kochen wart, wisst ihr, dass ich gerne koche. Dementsprechend sollte die Küche auch einigermaßen sauber sein, weil ich ja keine Angst vorm eigenen Kühlschrank haben will. Wie dieses Krümmelmonster von der Sesamstraße drehe ich manchmal durch, wenn rücksichtslose Menschen mein sauberes weißes mit Fliesen bedecktes Paradies unnötigerweise beschmutzen (anscheinend habe ich nichts Besseres zu tun als mich drüber aufzuregen).
Aber die Küche war das Vorbild der Reinheit und Sauberkeit im Vergleich zum Badezimmer. Angeblich hat mein Bruder alles geputzt, aber da das Wasser von der Badewanne langsamer als eine beschädigte Schnecke abläuft ist was wirklich Ekliges übrig gelassen, als ob zwanzig haarige Tiere täglich drin gebadet hätten. Mit Putzmittel und Schwämmen bewaffnet führten wir Krieg gegen das Badezimmer. Wir mussten uns die Nase halten, erstmals wegen dem Geruch vom Zimmer, und später wegen dem Geruch von der Putzmittel. Die Wanne musste ich erstmals lassen--die hat mich ausgetrickst und wehrte sich gegen jeglichen Angriff meinerseits.
In meinem Elternhaus bleibt es immer kühl und angenehm--und wenn es draußen weniger als 20 Grad ist, ist es drinnen geradezu kalt. Man zieht einen Pulli im Sommer an. In Boulder dahingegen ist es genau das Gegenteil. Mein Zimmer ist im 1. OG, und wir haben keine Klimaanlage, nur einen Ventilator, der sich wie ein kleines Flugzeug anhört. Damit haben wir geschlafen, die Gute-Nacht-Lieder vom Ventilator gesungen, in der vergebenen Hoffnung, nur mal einen kleinen Luftzug hineinzulocken. Ohne Erfolg. Wir schliefen auf der Decke, überhitzt und unbequem.
Es gibt nicht so viel zu tun in der Stadt. Die Stadt ist cool, und besonders toll für Amerikaner wegen der Fußgängerzone und den vielen schönen interessanten Cafés. Einem Europäer bringt es vielleicht etwas weniger, obwohl vom Baustil her ist sie immer noch sehr cool. Es gibt einen "Farmers' Market", wo man Biogemüse, Feinschmeckerkost, Mandelbutter, Ziegenkäse, und Pfirsiche bekommt. Das Beste daran ist, dass es bei jeder Stände etwas zu probieren gibt; Früchte und Käse, Brot, Pesto, Kekse und Getränke.
Die restliche Zeit ist mir verloren gegangen; mit Spaziergängen und Shoppen verbracht, glaube ich. Es gibt Läden nur für Spielzeuge, wo man vor einem Jahr hätte spielen können, aber wegen Umbau ist es langweilig geworden. Es gibt ein Teehaus, ein Geschenk unserer Partnerstadt in Tadschikistan.
(Pearl Street Mall in Boulder)
Unser Waffenkammer hieß ,,Target", und hat uns die Mittel unseres Sieges verkauft: Abflussreiniger, Wasserfilter, Wischer, Putzmittel. Mit einiger Anstrengung und der ganzen Flasche Reiniger (,,Halten Sie dieses Produkt von Kindern, Händen, Haustieren, Teppichen, Behinderten, der Luft, Kleidung, Feuer, Stiefmütter, usw. fern") hat die Wanne aufgegeben und mich sie endlich reinigen lassen.
Meine Mitbewohner wurde im Notzustand ausgewählt--weil ich außerhalb wohne, stehen die Studierenden nicht in Schlangen, um einzuziehen. Mein erstes Jahr waren die anderen zwei Studierende, mit denen ich mich nie unterhalten habe, denn ich sie kaum gesehen und nur ihr Geschirr ständig in die Spülmaschine eingeräumt habe. Sie sind beide ausgezogen, und ein Mann Mitte 40 und ein Junge, der eben seinen Abschluss hat, sind eingezogen. Der Mann ist noch da, und der Junge wurde durch einen Anderen ersetzt, weil der erste von einer Drogenüberdosis im Zimmer gestorben ist. Der neue ist sehr nett, sehr höflich, nicht besonders hell, und arbeitet beim Supermarkt. Ich glaube, den Beiden beibringen zu können, die eigenen Sachen wegzuräumen und gelegentlich zu putzen. Der Mann arbeitet viel, hat überhaupt keine Möbel, und macht Ironman dieses Jahr zum 7. Mal. Seine Frau ist vor drei Jahren im Autounfall gestorben.
Wir wollten ins Kino. Ich musste es erstmals finden, denn ich war noch nie da, und ich hatte nur die Kreuzung aufgeschrieben. Irgendwo hinter dieser Mall sollte es sein. Gefunden:
,,Das macht drei Dollar."
,,Für jeden?`" fragte ich, überrascht--ich hatte sechs oder so erwartet.
,,Insgesamt. Für euch beide."
Gute Idee, einen etwas älteren Film zu gucken. Shrek3 war lustig, wenn nicht besonders original. Immerhin hat er mir gefallen.
Es heißt ,,People's Republic of Boulder", (bin ich die Einzige, die eine Ähnlichkeit mit ,Democratic People's Republic of Korea'--Nordkorea--sieht??) denn es wie ein eigenes Land und tut so, als ob es zum restlichen Colorado nicht gehört. Die Leute dort hassen Bush wie die Pest, es ist politisch sehr liberal und auch sehr stolz drauf. Die Stadt ist voll mit Hippies und Öko-Menschen--öfters sind die dieselben--und es kommt mir vor, als ob selbst die Kinder tätowierte sind. Rastalocken sind üblich, am Besten mit ,,Fair trade" Kleidung. Kiffen ist wie ein Nationalsport, die Leute meditieren und machen Yoga, und es gibt drei Biosupermärkte in Laufweite voneinander. Die Stadt hat eine sehr eigene Kultur, ist für Demos und Kriegsgegner bekannt, und ist stolz drauf.
Wir wollten ganz früh wandern gehen, denn es sollte bis 35 Grad oder so werden, aber wir waren erst um 10 da. Auf dem Schild stand ,,2 Stunden" für unsere Route, aber wir waren innerhalb von 1h20min wieder unten. Die ersten 3 Km sind praktisch Treppen, und wieder nach unten war noch schlimmer, denn wir haben den richtigen Pfad verfehlt und mussten tatsächlich runter klettern. Das ist ja aber keine Überraschung, wenn ihr mich kennt.
(wo wir wandern waren)
Müde von der Wanderung und der Fahrt (natürlich habe ich mich verfahren, was glaubst du?) saß ich in der Küche, geduscht, in einem Kleid und war dabei, ein großes Stück Wassermelone zu essen. Tür geht auf: ,,Kannst du bitte deiner Mutter helfen?" Kein Problem, aber: Meine Mutter war dabei, massive Stapeln von Holz schnitzeln zu lassen. Es war wie ein großer Müllhäcksler (das habt ihr ja auch nicht---das ist dort, wo wir unseren Biomüll hintun. Es verschwindet alles im Waschbecken durch diese geile Maschine), außer der Tatsache, dass es ganze Bäume schlucken kann. Mein Nachmittag war ja weg....
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