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Wednesday, February 06, 2008

Weiterlaufen, die Zähmung

Beim laufen zieht er das linke Bein etwas nach, als ob etwas mit der Hüfte, die er eines Tages sicher wird ersetzen lassen müssen, nicht stimmt. Vor zwei Wochen ungefähr errichte er die 40, eine Zahl, die er mit einer gewissen Furcht und auch etwas Stolz betrachtet. Geschafft, so weit. So leicht war es auch nicht, so viele verpasste Angebote, Verluste. So viele Wege gab es, die er nicht gegangen ist; einen von denen ist seine damaligen Frau gegangen, weil sie ihn als zu verschlossen, zu kalt empfand, sie kriege schließlich nichts davon. Seine Verhältnisse zu seiner Tochter war wieder relativ gut geworden, die Streiten und das Geschrei lagen auch in der Vergangenheit. Ihm hat es zu lange gedauert, herauszufinden, was im Leben wichtig war. Darum eben das Laufen. Schließlich möchte er nicht mit 45 an Herzinfarkt oder immer lahmender Fettleibigkeit sterben, wie die Frau aus der Zeitung. Die Zeitung liest er jetzt auch, eine gewisse Ahnung von der Welt will er jetzt haben. Ein später Anfang. Too little, too late? Er läuft weiter. Die Hüfte beklagt sich, ein leises Murren der Zukunft, die er vermeiden will. Zu spät ist es nicht, noch nicht. Nur weiterlaufen kann er, vielleicht einige der von ihm verursachten Verletzungen etwas heilen, weniger Fehler zu machen. Mehr kann er nicht, mehr muss er auch nicht. Seine Tochter kommt heute, und sie wird auf ihn stolz sein. Weiterlaufen.

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Man hat sich gesehen, irgendwo, irgendwann, im Bus, im Geschäft, auf der Straße, auf den Weg nach irgendwohin. Man blicke sich an, überlege sich ein Gespräch zu wagen. Zu Wagen, sich aufs Spiel setzen. Das Wildpferd muss nicht erschrocken werden, man nähere ihn von der Seite, langsam, aus dem Augenwinkel betrachtend. Bis man die Hand sanft auf die Flanke legen kann. Nicht erschrecken, sich nicht bewegen. Muss gezähmt werden, sanft. Das Herz pocht, die Herzen pochen. Blicke austauschen, sich nicht in die Augen schauen. Mund aufmachen und Wörter kommen raus: geschafft, erstmal. Gezähmt ist sie nicht, sie lässt die Annäherung aber zu. Eines Tages wird das alles lächerlich vorkommen, jetzt ist es aber von alles andere beseitigender Wichtigkeit.

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